Was bleibt, wenn wir gehen? 1. Teil
- 10. Apr.
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 10. Apr.
Diesen Februar, also 2026, versuchte ich weitestgehend die Werkstatt, meinen Kopf und meine Hände für ein Projekt zu nutzen. Schon in den Dezemberabenden beruhigte ich mich beim 'Wege-schnitzen' in eine Holzplatte.
Mit mir 5 Frauen der GEDOK Heidelberg beschäftigten sich mit dem Thema 'Fußwege' für die mögliche Teilnahme der Ausstellung 'Funkenflug' im Haus Cajeth in Heidelberg. Wir trafen uns gelegentlich und es war ganz wunderbar wie tief und ehrlich der Austausch über unsere sehr unterschiedlichen Arbeiten gewesen ist.
Mein Ansatz waren die gegangenen Wege; die des Tages, der Wochen oder sogar des Lebens.
WAS BLEIBT, WENN WIR GEHEN?
Ich schnitzte also in die Platte die Umwege, Sackgassen, die tiefen und leichten Furchen, die Verwirrungen und die Verbindungen.
Es war der Plan diese Platte zu drucken, aber sie auch zu verwenden, zu zersägen.

Mit roter Buchdruckfarbe auf Ölbasis druckte ich erste Blätter.
Es ging mir darum die Wege zu dokumentieren, allerdings mit dem Bewusstsein, dass nur wenig wirklich in Erinnerung bleibt. Aber was bleibt?
Vielleicht ein Lächeln oder ein Schubser am Tag, vielleicht wegweisende Situationen des Lebens, vielleicht ein Sonnenaufgang mit Tränen, vielleicht ein Spaziergang mit Kribbeln im Bauch.
Die Idee war diese Stücke des Weges, die mit Erinnerung belegt sind, herauszunehmen, sichtbar und greifbar zu machen, sie zu erhöhen.

Mir wurde deutlich, dass viele unserer Gefühle mit Worten des Unterwegs-sein zu tun haben und in Verbindung stehen.
Ich sammelte sie wo immer ich saß. Noch jetzt finde ich auf Schnipseln Worte, die mir zwischendurch einfielen.
Anstatt die Platte, den Druckstock zu zersägen (wie geplant), fing ich an die Papiere zu zerschneiden und die einzelnen Ausschnitte mit Erinnerungen zu belegen.
Meist aus Wachs.
Ziellos, Trauermarsch, Freudentanz, Seitensprung, Perspektivwechsel, Sehnsuchtsorte, Tauchgänge....

Das Spiel begann und ich verfiel in eine glücklich machende Sucht.
Ich liebe die Fragen mehr wie die Antworten.
Und so kam die Unsicherheit erst danach.
Große Unsicherheit.
In den Boden ziehende Unsicherheit-
nach so viel Glück und tiefer Auseinandersetzung.
Manchmal ist es schwer auszuhalten etwas stehen zu lassen, was entstanden ist.
Manchmal schreit die innere Kritikerin.
Ich bin danach so sichtbar, wie diese Arbeiten. Will zeigen und verstecken.
Sind sie ICH? Sind sie nicht nur auch ein winziger Teil vom Weg? Kommt man jemals an?
Es ist vor mir (und vor Euch) und verwundert mich. Erfreut mich auch.
Fortsetzung folgt....



Kommentare